Lars

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Vorgeschichte

Lars war wegen Nabelschnurstrangulierung bei der Geburt schwer hirngeschädigt. Während der ersten zwei Monate nach seiner Geburt hat er mit künstlicher Beatmung und unter konstanter Beobachtung seiner Hirnaktivitäten gelebt. Wegen der zahlreichen Elektroden am Kopf war er so weit traumatisiert, dass er freiwillig keine Berührung seines Kopfes zuließ.

Als er im Dezember 2002 im Alter von 11 Monaten zum ersten Mal zu mir kam, konnte er u.a. wegen hohem Muskeltonus in Kiefergelenk und Nacken nichts kauen und nur mit großer Mühe an der Mutterbrust trinken.

In der Regel vermeide ich konsequent jeden Umstand, in dem das Kind seine Behinderung oder seine Begrenzung wahrnimmt. Typisch für die Feldenkraisarbeit ist, auch bei den schwerstbehinderten Kindern und Erwachsenen das Empfinden zu vermitteln, dass sie gesund sind, was bedeutet, ihr Leiden so weit wie möglich im Hintergrund verschwinden zu lassen. Das ist nur dann möglich, wenn die Kinder oder Erwachsenen sich wohlfühlen. Dieses Wohlgefühl wird dadurch vermittelt, dass dem Behinderten zuerst Aufgaben gestellt werden und er in Lagen gebracht wird, mit denen er leicht fertig wird. Eine Aufgabe spielend bewältigt zu haben vermittelt immer ein Erfolgsgefühl. Einige der Wege meiner Feldenkraisarbeit für die Entwicklungsförderung bei Behinderten im Allgemeinen, und bei Kindern wie Lars im Besonderen, werden in der folgenden Bildreihe geschildert.

lars01Abb. 1 (Lars liegt nur unter Protest flach auf dem Rücken)

Dieses Bild ist untypisch für meine Feldenkraistätigkeit. Da ich bei Lars zum ersten Mal für die Öffentlichkeit dokumentieren wollte, wie weit die Feldenkraisarbeit einem schwerstbehinderten Kleinkind die Entwicklung ermöglichen kann, brauchte ich eine Dokumentation von seinem Zustand am Anfang meiner Arbeit mit ihm. Wie schon erwähnt, vermeide ich sonst jeden Umstand, in dem das Kind seine Behinderung oder seine Begrenzung wahrnimmt.

Am Anfang meiner Arbeit mit Lars liegt er nur unter Protest flach. Er weigert sich heftig, weil er aus eigener Erfahrung eine nur mangelhafte Wahrnehmung der unmittelbaren Umgebung und der Schwerkraft hat. Er empfindet nicht links, rechts, oben oder unten und kann wegen Unkenntnis seiner unmittelbaren Räumlichkeit keine Bewegungen ausführen. Wenn wir seinen Wahrnehmungszustand mit einem vergleichbaren Umstand eines normal entwickelten Menschen zu assoziieren versuchen, dann müsste dieser Mensch an jedem seiner Gelenke mindestens fünf Kilogramm mit sich schleppen. Wenn dieser Mensch sich dazu noch in einem dichteren Medium als der Luft oder dem Wasser bewegen sollte, würde seine räumliche Orientierung und Wahrnehmung der dieses Kindes zusätzlich noch näher kommen. Für Lars besteht die einzige Möglichkeit seiner Unzufriedenheit über die Lage, wie er hingelegt wurde, Ausdruck zu verleihen, in einer globalen, en bloc undifferenzierten Mobilisierung seiner gesamten Muskelhülle: Während dieser Reaktion kann er weder Kopf noch Rumpf drehen, nimmt nicht einmal seine Mutter mehr wahr und ist seelisch wie physisch von seiner Umgebung abgekapselt.

 

Erste Sitzung

lars02Abb. 2 (Lars auf dem Arm der Mutter)

Lars wird von mir während der ersten Sitzung auf dem Arm und dem Schoß seiner Mutter behandelt.

Am Anfang meiner Arbeit mit einem Kind ist meine wichtigste Aufgabe mich dem Zustand des Kindes anzupassen. Dazu gehört, wie es sich zu den vertrauten Personen, wie seine Eltern, und zu mir als zunächst Fremdem verhält. Ich muss mit dem Kind so arbeiten, dass es sich in seinem alltäglich vertrauten und privaten Leben nicht angegriffen fühlt: Wenn ein Kind gewöhnt ist, auf dem Schoß seiner Mutter zu sein, werde ich dieses Kind zu Behandlungs- und Untersuchungszwecken nie vom Schoß seiner Mutter wegnehmen und z.B. auf den Behandlungstisch legen. Um eine wirkungsvolle Arbeit mit einem behinderten Kind zu vollbringen ist der beste Weg, das Kind in seinen gewöhnlichen Situationen, in denen seine pathologischen Reaktionen und Verhaltensweise am geringsten vorkommen, zu beobachten. Dafür muss ich am Anfang aus der Sichtweite des Kindes verschwinden, so dass es nur durch die positive Selbstwahrnehmung auf Grund meiner Berührung Vertrauen in mich als neuen Umgebungsfaktor gewinnt. Dieses Vertrauen kann ein Kind nur dann in eine unbekannte Person gewinnen, wenn es diese Person mit einem sehr angenehmen Erlebnis verbindet.

In nachfolgender Bilderserie kann man einen Annäherungsprozess zwischen mir und Lars auf der sensorischen Ebene sehen: Ich bin völlig außerhalb seines Blickwinkels. Lars sitzt auf dem Arm seiner Mutter mit dem Gesicht zu ihr gerichtet und nimmt seine Mutter, ihr Halten, und zuerst nur ein angenehmes Empfinden meiner Berührung seines Rückens im Lendenbereich wahr. Lars kann sein Mißtrauen nicht überwinden, obwohl die Berührung seines Rückens durch meine Finger sehr angenehm sein muss, sonst würde er sich entschieden wehren. Obwohl sich Lars als ein besonders intellekt-betontes Kind zeigt, das nie die Lage durch sinnliche Erfahrung einschätzt, scheint es, dass meine Berührung seines Rückens sein Mißtrauen besiegt...

lars03Abb. 3 (Lars wendet Kopf)

"Ich muss doch wissen, wer dieser eindringliche Kerl ist, der meinen Rücken doch recht angenehm knetet. Er scheint mir ziemlich aufdringlich zu sein, aber ehrlich gesagt, solche Art Aufdringlichkeit kann ich schon zulassen. Nach so viel Kneterei möchte ich doch auch sehen, wie der Kerl aussieht. Es scheint mir, er könnte ganz nett sein."

lars04Abb. 4 (Lars zugewandt)

"Mindestens scheint mir dieser Kerl gar nicht so gefährlich zu sein. Ob er auch nett ist, weiß ich noch nicht. Ich kann mich aber schon getrost hier im Schoß meiner Mutter hängen lassen. Ich glaube nicht mehr, dass ich in seinem Beisein im Wehrzustand sein oder Vorsicht üben muss."

lars05Abb. 5 (Direkter Blickkontakt)

"Doch, der ist ein ganz netter Kerl. Aus meiner kurzen Lebenserfahrung hätte ich das nicht vermuten können. Der scheint schon anders zu sein als die, die ich bis jetzt gekannt habe. Mit dem kann man ja richtig Spaß haben. Schau mal, wie er nun meine Knie lockert und mir dabei noch beibringt, wie ich selber ein Bein mit dem Fuß des anderen streicheln kann."

 

Lars rollt zum ersten Mal von der Rückenlage auf die Seite

lars06Abb. 6 (Lars in Rückenlage)

Als am Ende meiner dritten Feldenkrais Sitzung mit Lars die Mutter Lars kurz auf den Boden legte, um seine Kleidung zu holen um ihn zum Weggehen anzuziehen, schaute er zu meiner und der Mutter Überraschung neugierig und interessiert um sich, ohne zu weinen oder sich irgendwie zu sträuben.

Als ich sah, dass Lars doch liegen kann, habe ich die Mutter vom Anziehen angehalten, weil ich die neu eröffneten Arbeitsmöglichkeiten nützen wollte, und die Sitzung ungeplanterweise fortgesetzt.

In diesem Bild kann man bemerken, dass Lars seine Aufmerksamkeit zu seiner Umgebung öffnet, weil er nun gelernt hat, durch die ersten drei Sitzungen kinesiologisch in der Rückenlage sich mit der Schwerkraft auseinander zu setzen. Er hat keine Angst mehr vor der geraden Fläche auf der er liegt, seine Bewegungen empfindet er als mühelos und dadurch traut er sich zu, neue, bis dahin völlig unbekannte Handlungsmöglichkeiten auszukosten. Dieses Bild so wie alle anderen Bilder aus meiner Feldenkrais Arbeit zeigt, dass eine leistungsdruckfreie Therapie bei Behinderten viel effektiver die eigenen Entwicklungskräfte des lädierten Nervensystems fördert als eine ergebnis- und zielgerichtete Behandlung.

Wenn das Kind sich in seiner Beweglichkeit freier und vertrauter fühlt, wird es von sich aus Bewegungen ausführen, die in ihrer Vielfalt und Variation das Repertoire jedes vorausgedachten Bewegungsprogramms anderer Therapien übertrifft. Die behinderten Kinder, mit denen ich arbeite, betrachte ich als Kollegen mit wertvollen Lernfähigkeiten, die zusammen mit mir ihre Entwicklungswege entdecken, und nicht als Patienten, nicht einmal als Schüler.

lars07Abb. 7 (Blickkontakt zur Mutter)

Erst wenn ein Kind so weit ist, sich vom Schoß seiner Mutter zu trennen, um auf dem Boden zu liegen, erst dann fängt seine wahre Entwicklung an.

In diesem Bild besteht immer noch ein Blickkontakt zwischen Lars und seiner Mutter, obwohl er jetzt auf dem Boden liegt. Der Boden ermöglicht Lars die Bewegungsvielfalt kennen zu lernen, die sich ihm nur durch den Boden eröffnet und welche auf dem Schoß der Mutter nie in seine Erfahrung eintreten kann: Auf dem Schoß der Mutter können Rotationen und Neigungen des Rumpfes nie in dem Umfang entstehen und erlebt werden wie auf dem Boden. Auch wenn Lars in diesem Bild sich vom Schoß seiner Mutter trennt, halte ich mich immer noch im Hintergrund, so dass die Berührung meiner Hände für Lars ein Zusatzfaktor zur Bodenstütze ist.

Ich mische mich nicht in den Ablauf seiner Bewegungen ein, sondern begleite seine Bewegungen und folge seinen Absichten um ihm nur die notwendigsten stützenden Reize zu gewährleisten, die ihm in seiner Beweglichkeit das Empfinden vermittelten, dass er alles was er unternehmen möchte auch unternehmen kann. Dadurch wird Lars die Freiheit empfinden sich immer neue Abenteuer auszudenken, die sein Bewegungsrepertoire in für ihn ganz selbstverständlicher Weise bereichern.

In den folgenden Bildern schauen wir mal, was der kleine Bursche noch schafft.

lars08Abb. 8 (Mutter hält Banane)

lars09Abb. 9 (Lars versucht Banane zu greifen)

lars10Abb. 10 (Lars sucht Blickkontakt)

lars11Abb. 11 (Lars bekommt Banane)

lars12Abb. 12 (Lars knetet Banane)

lars13Abb. 13 (Lars knetet Banane)

Eine integrative Arbeit mit Kindern verläuft am besten, wenn das Kind sein tagtägliches Leben während der Behandlung weiterleben darf. Hier beschäftigt sich Lars mit einer Banane, die er schon zur Hälfte gegessen und inzwischen zum Spielzeug gemacht hat. Die Verwendung von Dingen zu anderen Zwecken als die, für die sie gedacht waren, ist eine wohlbekannte Verhaltensweise bei Kleinkindern. Hier wird mit Hilfe von Lars' Mutter bewirkt, den Kontakt mit der Außenwelt von Mund zu Hand zu erweitern, indem Lars die Banane nicht mehr als Nahrungsmittel sondern als interessantes Fühlmedium zum Kneten wahrnimmt. Seine Gedanken und Absichten lenken sich von der überlebensbedingten Funktion des Essens zu einer variierten und kreativen Funktion des Antastens, welche in ihm Vorstellungen von Bewegungen und Empfindungen hervorrufen, die seine funktionale Entwicklung fördern.

Spielerisch begegnet er der ihn umgebenden Wirklichkeit, fühlt sich dabei nicht als therapeutisch behandelt, denn meine Arbeit mit ihm empfindet er als eine zur Umgebung selbstverständlich gehörende Komponente, ganz so wie seine Mutter und andere aus seinem Leben bekannte Personen und Vorgänge. Diese Art von Arbeit leistet bei Kindern die höchste integrative Wirkung der in der Therapie erreichten Erfolge.

Im Gegensatz zu Therapien, die das Kind in starre, lebensfremde Situationen zwingen und deren Wirkung vom Kind traumatisch und deshalb als unorganisch und unfunktionell wahrgenonnen wird, wird in der Feldenkraisarbeit im Kind die Selbstentdeckung seiner eigenen Bewegungsvielfalt eingeleitet und damit die Verarbeitung, Integration und Weiterentfaltung der in der Therapie erreichten Ergebnisse im täglichen Leben fortgesetzt.

Damit sich die Reihenfolge von Wirkungen fortsetzen kann, ist es notwendig, die übertriebene Muskelspannung bei stark spastischen Kindern zuerst durch tägliche funktional unterstützende Feldenkrais-Behandlung auf ein Minimum zu bringen. Wenn die Muskelspannung nachgelassen hat und die Kinder sich in ihrer Beweglichkeit befreit fühlen, kann man die Häufigkeit der Behandlungen reduzieren, weil die Kinder durch ihre Bewegungen selbst dazu beitragen, dass der Muskeltonus sich reguliert und sich den täglichen Bewegungsforderungen anpasst.

Das Nervensystem hat die Tendenz, besser gesagt sogar den Wunsch, sich selbst optimal zu organisieren soweit die physischen Grundlagen dazu vorhanden sind. Durch die Feldenkraismethode werden die physischen Grundlagen optimiert: Nicht jede Bewegung muss gezeigt, geschweige denn erzwungen werden. Das Nervensystem, ganz besonders das Nervensystem von Kindern, wird durch die eigenen biologischen Entwicklungsimpulse und -kräfte zum schöpferischen Mitarbeiter des Feldenkrais-Pädagogen.

lars14Abb. 14 (Lars nimmt Kontakt auf)

Nach einer sehr langen Odyssee in der Entwicklung von Lars, während der ich mich als Umgebungsparameter geben musste, kam es zu dem Moment, in dem mich Lars als Spielpartner wahrgenommen hat. Es kam erst zu einem langen Spielen, wobei er sich nur auf seine Mutter und sich selbst bezog, bis er auf einmal die Hand, die ihm so oft die schönsten Selbst-Empfindungen und -Wahrnehmungen vermittelt hatte, entdeckte. Seine Neugier, zu wissen wem diese Hand gehört, führte ihn zur Mobilisierung seiner Rückenmuskulatur.

lars15Abb. 15 (Lars sieht Bauch)

"Mit diesem Bauch kann ich aber nichts anfangen; ich muss doch auch den Kopf sehen."

lars16Abb. 16 (Lars sieht Gesicht)

"Das ist doch derselbe nette Kerl von vorgestern! Mit ihm kann ich doch spielen."

 

Lars entdeckt die Bauchlage

lars17Abb. 17 (Lars in Bauchlage)

lars18Abb. 18 (Lars mobilisiert Muskulatur)

Als Lars nach 2 1/2 Monaten das erste Mal die Bauchlage zufällig entdeckte, konnte ich auch lernen, dass er zwar seine Streckmuskulatur mit fast tänzerischer Virtuosität mobilisieren konnte aber leider seine Arme noch nicht genug differenziert von der Rückenmuskulatur gebrauchen konnte, so dass er sich darauf stützen könnte. Wie man aus diesen und folgenden Bildern erkennen kann, fehlt Lars noch die Fähigkeit, die Arme in den Ellbogen zu beugen während die großen Streckmuskeln des Rückens in Anspruch genommen werden. Etwas für die Differenzierung in der Mobilisation des Nackens, der Arme und des Rückens müsste noch unternommen werden.

lars19Abb. 19 (Lars reitet)

Zurück auf dem Schoß seiner Mutter entdeckt Lars sein altes Glück wieder. Diesmal bin ich nicht derjenige, der mit ihm spielt, sondern vermittle der Mutter einige der Spielregeln, mit denen sie Lars das Leben schöner machen kann. Das ist der Anfang der Einführung der Mutter in die Spieltechniken der Feldenkrais Methode. Meine Absicht dabei war, der Mutter zuerst eine Einsicht in meine Arbeit zu geben und ihr die notwendigsten Werkzeuge zu vermitteln, um mit Lars auch bei sich zu Hause nach den Feldenkrais Regeln zu spielen. Die Mutter fühlte sich glücklich und überraschte mich mit ihrer spontanen Kreativität.

In diesem Bild kann man sehen, dass die gleiche Haltung wie in der Bauchlage vorkommt, als Lars vom Gesäß und Kopf gehalten wird, während die Mutter ihn auf ihrem Schenkel Hoppe-Reiter hüpfen macht.

Lars lachte jedes Mal, als er feine Unterschiede in der Handlung seiner Mutter spürte. Diese Unterschiede waren noch witziger für ihn als er merkte, dass diese durch meine Anleitung entstanden. Einige davon waren wie folgt:

a. Das Bein und die Hände so bewegen, dass der Abstand zwischen den Händen und dem Knie der Mutter während der Auf- und Abbewegungen von Lars konstant bleibt.

b. Diesmal sollen die Hände dem Knie mit einer leichten Verzögerung folgen, so dass sich der Abstand zwischen den Händen und dem Knie bei der Aufwärtsbewegung leicht verkürzt und sich bei der Abwärtsbewegung leicht verlängert.

lars20Abb. 20 (Schmusepause)

Nach einer Schmusepause geht es mit dem Spiel weiter.

 

Spiel mit Joghurt

In den folgenden Bildern wird gezeigt, wie Lars lernt die Arme zu entspannen.

joghurt_01Abb. 21 (Schmusepause)

Anstatt von seiner Mutter mit einem Löffel gefüttert zu werden, wie er es gewöhnt ist, wird hier Lars der Spaß gegönnt seinen Joghurt unmittelbar mit seiner Hand aus dem Becher zu schaufeln und in den Mund zu bringen. Aus dieser Bildreihe kann man sehen, dass die Mutter durch meine Anleitung den Joghurtbecher mit Absicht in unterschiedlichen Abständen von Lars' Mund hält. Diese Strategie, welche in der konventionellen Therapie eventuell als bedeutungslos angesehen wird, ist in diesem Fall entscheidend für das Erzielen eines Ergebnisses mit Spaß und guter Laune, ein Ergebnis, das in den meisten Therapien mit Zwang angestrebt wird, nämlich das Beugen des Arms im Ellbogen und Handgelenk in Kombination mit abwechselnder Pronation und Supination. Das unkonventionelle Essen mit der Hand im Rahmen des Fütterns macht Lars so viel Spaß, dass er vergisst, sich wegen seiner Spastizität der komplexen Armbewegungen zu wehren. Es ist wissenschaftlich bewiesen, dass Lachen lern- und entspannungsfördernd ist, zwei Bedingungen, die auch für Lars' Entwicklung unentbehrlich sind.

 

Kriechfolge

lars_hebt_kopfAbb. 22 (Kriechfolge)

Aus dieser Bildreihe kann man den Spaß sehen, mit dem Lars probiert zu kriechen.

Nachdem alle Vorausetzungen zum Kriechen vorbereitet sind, wird Lars das Kriechen mit Leichtigkeit und Freude am Erfolgserlebnis lernen: Er kann auf dem Bauch liegen, sich sicher auf einen Ellbogen zu stützen und, obwohl der Rumpf auf der Seite des stützenden Ellbogens durch das Stützen fixiert ist, kann Lars differenziert den anderen Arm nach vorn bringen, um sich demnächst darauf zu stützen.

Ein entscheidender Unterschied von den früheren Phasen in der funktionellen Entwicklung von Lars ist, dass er in dieser Bildreihe auch wenn er seine Lendenmuskeln stark beansprucht, um Kopf und Schulter hoch zu heben, kann er trotzdem seine Arme für die Kriechbewegungen differenziert gebrauchen.